Paranoid Park nur mit Laien-Schauspielern

Im neuen Film des US-Regisseurs Gus van Sant „Paranoid Park“, der am 15. Mai in die deutschen Kinos gestartet hat, wurden ausschließlich Laien-Schauspieler für alle Rollen engagiert. Somit führt der Film die Tradition von „Kids“ weiter, der 1995 weltweit für einen Skandal sorgte. Damals hatte Kult-Regisseur Larry Clark Jugendliche auf den Straßen von New York angesprochen und sie aufgefordert, in seinem Film mitzumachen.

Das Resultat war verblüffend: Ohne dass sie jemals eine Schauspielschule besucht hätten, lieferten die „Kids“ so eine herausragende schauspielerische Leistung, dass sie dem Independent-Film eine Nominierung für die Goldene Palme in Cannes und jede Menge Kritikerlob bescherten.

Für manche der Laien-Darsteller bedeutete der Film der große Durchbruch. Die damals 21-jährige Chloё Sevigny etwa hat seitdem in insgesamt 28 Filmen mitgespielt, darunter in Produktionen wie „American Psycho“, Lars von Triers„Dogville“, David Finchers „Zodiac“ etc. Für ihre Rolle in „Boys Don`t Cry“ wurde die junge Schauspielerin 1999 für den Oscar und für den Golden Globe nominiert. Ein ähnlicher Erfolg wurde Rosario Dawson zuteil, die nach ihrem Schauspiel-Debüt in „Kids“ in erfolgreichen Produktionen wie Oliver Stones „Alexander“, „Sin City“ und neulich in Tarantinos „Death Proof“ zu sehen war.

Regisseur Gus van Sant bediente sich modernerer Mittel, um die passenden Darsteller für seinen Film „Paranoid Park“ zu finden: Das Casting wurde zeitgemäß mittels „myspace“ im Internet durchgeführt.

Wenn Jugendliche im Film das Milieu darstellen sollen, dem sie entstammen, bewährt sich dieses innovative Casting-Verfahren als durchaus erfolgreich. Erfahrungen aus der Schauspielschule können unter Umständen dort fehl am Platz sein, wo ein möglichst unmittelbares und unverfälschtes Abbild der Realität angestrebt wird.

Natürlich ist das eher die Ausnahme: Wir wissen, wie Laien-Darsteller z.B. die deutsche Fernsehlandschaft verseuchen. Aber wenn man als Regisseur den richtigen Riecher hat, stößt man manchmal an echte Naturtalente. Und dann wird das Märchen vom Auf-der-Strasse-entdeckt-Werden wahr.

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