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Der Soundtrack zum Film Tideland

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Der Soundtrack von Tideland.Mit „Tideland“ hat Regisseur Terry Gilliam nach dem gleichnamigen Roman von Mitch Cullin einen ebenso beklemmenden wie faszinierenden Film geschaffen. Kurz zum Inhalt: Die achtjährige Jeliza-Rose, fulminant gespielt von Jodelle Ferland, führt ein schweres Leben. Ihre Eltern sind Junkies. Früh lernt das Mädchen, für Vater und Mutter die Heroinspritzen zu präparieren.

Als die Mutter an einer Überdosis stirbt, zieht Jeliza-Rose notgedrungen mit ihrem kranken Vater ins desolate, leer stehende Landhaus der Großmutter in die Einöde. Beinahe verliert das einsame, traumatisierte Kind in dieser Umgebung den Verstand. Ohne die Gespräche mit ihren vier Puppenköpfen und einem Eichhörnchen wäre Jeliza-Rose verloren.

Als die Kleine mit der hexenhaften Nachbarin Dell und deren schwerbehinderten Bruder Dickens Bekanntschaft macht, kann sie wenigstens ihren neuen Freund mitnehmen auf die Fluchten in eine Welt der Phantasie. Wogende, weitläufige Felder mutieren zu Ozeanen, Mumien bekommen das Sorgerecht für Kinder, Eichhörnchen spenden Trost, und die Achtjährige macht erste sexuelle Erfahrungen mit einem Erwachsenen.

Terry Gilliam mutet seinen Zuschauern und seiner jugendlichen Protagonistin Jodelle Ferland mit der Darstellung der Jeliza-Rose Einiges zu. Der Zuschauer fragt sich, wie das Kind Ausflüge in ein Land wirrer Kopfgeburten verkraften kann.

Gilliam gelingt es erstaunlicherweise, diesem schweren Thema auch Humorvolles abzugewinnen. Lachen, Weinen und sich Gruseln liegen hier nah beieinander. Man kann nur hoffen, dass bei den Dreharbeiten die Leichtigkeit Terry Gilliams über das Dramatische gesiegt hat. „Tideland“ ist auf jeden Fall ein visuelles und akustisches Meisterwerk mit viel Liebe zum Detail. Diese Detail-Versessenheit lässt sich auch in in der Ausstattung wie die Möbel in Tideland wiederfinden. Diese sehen allesamt so abgenutzt aus, dass man niemals auf die Idee kommen könnte es seien Requisiten.

Eine Reise in die Welt der Fantasie…

Zu der düstereren und absurden Stimmung von „Tideland“ trägt der Soundtrack wesentlich bei. Die durchgängige Score-Musik stammt von den Brüdern Jeff und Mychael Danna. (Green Dragon, Fracture). Die Reaktionen und Kritiken auf den Score sind ebenso unterschiedlich wie jene über „Tideland“ im Allgemeinen: von den Einen hochgelobt, von den Anderen als eher mittelmäßig beschrieben, bleibt nur, sich beim Anhören seine eigene Meinung zu bilden.

Von Blues-Rock bis Gospel…

Zu Beginn hören wir den antreibenden Blues-Rock von Van Gogh in Hollywood, den Jeff Bridges selbst mit rauer Stimme und wunderbar zynischen, schlüpfrigen Versen unterlegt. Weiter geht es mit John Lee Hookers legendärem „Boom-Boom“. Elegisch und zart wird der Hörer durch den Track „I’m a Ghost“ in die magische Welt des Kindes entführt. Jeliza-Roses Verbundenheit mit der für sie belebten Natur spiegelt sich in „Corn Swimming“ wieder, und „Grandma’s House“ vermittelt die Sehnsucht des Mädchens nach einer heilen, einer besseren Welt. „Under Water“, „Running from Del“, „They Won’t Be Out Until Tonight“ sind Score-Tracks, die einen immer weiter in die Fantasiewelt Jeliza-Roses ziehen. Später hat „Feather Boa“ eine leichte, französische Qualität, hier sind Andeutungen eines Valse Musette zu hören.

https://youtube.com/watch?v=sZ1H77x5kCs%3Flist%3DPLR74g2FSRkDL8XjxrzgfpwADI0s_1K5va

Stimmungsmalerische Variationen…

Im weiteren Verlauf arbeiten die Danna-Brothers mit stimmungsmalerischen Variationen des Score-Themas, das Lust darauf macht, den Film (noch einmal?) zu sehen und die ungewöhnliche Bildsprache zusammen mit der Musik auf sich wirken zu lassen. Mit dem hoch energetischen Gospel-Song „Wash Me in The Blood Of Jesus“ stellt sich am Ende des Filmes eine zuversichtliche, geradezu fröhliche Stimmung ein, die der Seher – und der Hörer – nach all der Schwermut bitter nötig hat. Alles in Allem ist der Soundtrack von „Tideland“ durchaus hörenswert.

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